Kreml schließt Vermittlung durch den Vatikan nicht aus

07. November 2022
Quelle: fsspx.news

Trotz der frostigen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Moskauer Patriarchat (FSSPX.Aktuell berichtete) spielt die vatikanische Diplomatie bei den Versuchen, den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu lösen, nach wie vor eine führende Rolle.

Ein erstes Signal für das wiedererwachte Interesse an den diplomatischen Aktivitäten des Heiligen Stuhls in Osteuropa kam vom französischen Staatsoberhaupt. Am 24. Oktober 2022 wurde Emmanuel Macron - zum dritten Mal seit seiner Wahl im Jahr 2017 - vom Pontifex empfangen. Bei dieser Gelegenheit forderte der französische Staatspräsident das Oberhaupt der katholischen Kirche auf, seine Bemühungen um Frieden in der Ukraine zu verstärken: „Ich habe Papst Franziskus ermutigt, Wladimir Putin und den Patriarchen Kyrill von Moskau, aber auch Joe Biden anzurufen“, sagte er der Wochenzeitung Le Point nach seinem Treffen mit Papst Franziskus. Und weiter: „Die USA müssen sich an den Tisch setzen, um den Friedensprozess in der Ukraine zu fördern. (...) Joe Biden hat ein echtes Vertrauensverhältnis zum Papst. Der Papst kann einen Einfluss auf ihn haben.“ Damit deutet er eine gewisse diplomatische Spannung mit der Biden-Administration an.

Papst Franziskus verurteilte zwar die militärische Sonderoperation der Russischen Föderation und die Bombardierungen auf ukrainischem Boden, ging aber relativ schonend mit dem Kreml um, was ein mögliches diplomatisches Fenster für einen Waffenstillstand erleichtert.

Am Tag nach der Erklärung des französischen Staatsoberhaupts wurde vom Pressesprecher des Kreml ein Signal ausgesandt, dass Wladimir Putin nichts gegen eine Vermittlung durch den Vatikan einzuwenden hätte: „Wir sind bereit, all das mit den Amerikanern, den Franzosen und mit dem Papst zu besprechen. Russland ist für alle Kontakte offen“, sagte Dimitri Peskow.

Kurz darauf begrüßte der Staatssekretär des Heiligen Stuhls, Kardinal Parolin, in einem Interview mit italienischen Medien die Offenheit Moskaus: „Es ist positiv, eine solche Offenheit zu sehen, und auch wenn sie noch recht vage ist, könnte sie sich konkretisieren, wenn man alle Aspekte der Situation berücksichtigt: Das bedeutet, dass es also möglich ist, miteinander zu sprechen.“ Die Nummer zwei des Vatikans betonte das positive Zeichen aus Moskau und versicherte, dass er immer zur Verfügung stehe, um auf Seiten des Heiligen Stuhls darauf zu reagieren. Aus den Worten von Kardinal Parolin geht hervor, dass die Vereinigten Staaten von der Idee einer Vermittlung unter Beteiligung des Heiligen Stuhls und sogar Frankreichs wenig begeistert sind. So antwortete der Staatssekretär auf die Frage des Journalisten „Konnten Sie mit Präsident Biden sprechen?“: „Nein, wir konnten nicht mit ihm sprechen, wir haben ihm zwar die Friedensbotschaft des Papstes zukommen lassen, (...) aber wir haben noch keine Antwort von ihm erhalten.“ 

Ist es übertrieben, sich zu fragen, ob die Biden-Regierung nicht in Wirklichkeit mehr darauf bedacht ist, ihr Fernkampfspiel mit Moskau über ein Land dazwischen fortzusetzen - wobei sie nebenbei Europa schwächt und es immer abhängiger von den Energieträgern und der Marktmacht der USA macht -, als den Lärm der Waffen zum Schweigen zu bringen? So oder so: Die vatikanische Diplomatie hat noch lange nicht das letzte Wort gesprochen.