Geht die Päpstliche Akademie für das Leben unausweichlich in die Irre?

07. November 2022
Quelle: fsspx.news

Dieser Tage zeigt sich der Verfall der Päpstlichen Akademie für das Leben (PAV) an Mitgliedern, die die Morallehre der Kirche nicht teilen – insbesondere was Abtreibung und Empfängnisverhütung betrifft. Nach der skandalösen Ernennung einer abtreibungsfreundlichen Ökonomin haben sich zwei weitere Mitglieder als schwer mangelhaft in Bezug auf diese Doktrin erwiesen.

Ein Professor für Moraltheologie 

Roberto Dell'Oro ist Professor für Moraltheologie und Inhaber des O'Malley-Lehrstuhls für Bioethik an der Loyola Marymount University. Er argumentiert, dass die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vom 24. Juni 2022, Dobbs v. Jackson Women's Health Organization, in einer an Totalitarismus grenzenden Weise gegen die Normen der demokratischen Freiheit und die Achtung der Autonomie der Frau verstößt. Im potenziellen Konflikt zwischen dem Anspruch einer Frau auf Autonomie und dem Recht eines Staates, die Zukunft ihrer Schwangerschaft zu bestimmen, stelle sich die Dobbs-Entscheidung auf Kosten der ersten auf die Seite der zweiten und lehne jeden Raum der persönlichen Freiheit für Frauen ab, selbst in Fällen von Vergewaltigung oder Inzest, sagte Dell'Oro auf einer Konferenz. In einem späteren Interview mit CNA betonte Dell'Oro, dass sich seine Bemerkungen auf die Legalität der Abtreibung und nicht auf ihre Moral bezogen.

Das Argument ignoriert das grundlegendste Recht 

Dell'Oros Bemerkungen lösten heftige Kritik von Teresa Collett aus, einer Rechtsprofessorin an der St. Thomas University und Mitverfasserin eines Amicus-Curiae-Schriftsatzes im Namen der Akademikerinnen, die den Obersten Gerichtshof ersuchten, das Roe-Urteil im Dobbs-Fall aufzuheben. „Die Position des Professors ignoriert, dass eine demokratische Republik nur existieren kann, wenn sie die grundlegendsten Menschenrechte schützt, wobei das grundlegendste Recht das Recht auf Leben ist“, sagte Collett gegenüber CNA. Auf Nachfragen zu seinen Bemerkungen beschrieb Dell'Oro seine Position als einen juristischen Kompromiss.

Eine aufschlussreiche Vorstellung von der Rolle der Akademie 

Dell'Oro beschrieb die PAV unter Johannes Paul II. als „einen Raum, in dem man sich in der Pro-Life-Bewegung auf eine Weise engagieren kann, die a priori durch die Grenzen der katholischen Lehre stark definiert ist“. Unter Franziskus, so fügte er hinzu, sei sie eher analog zu anderen päpstlichen Akademien, die führende Akademiker und Forscher unabhängig von ihren religiösen und moralischen Ansichten aufnehmen.

Laut Dell'Oro ist die Päpstliche Akademie für das Leben „der akademische Raum, der auf die Anliegen der Kirche im Bereich der Bioethik eingeht“. Sie stelle die Position der Kirche in einen Dialog und die Mitglieder der Akademie müssten die Positionen von säkularen Denkern und Denkern anderer Religionen kennen. – Fragt sich, ob es wirklich notwendig ist, dass sie Mitglieder sind, um zu diskutieren?

„Ja, die Akademie ist zu einer Art pluralistischerer Organisation geworden. Aber noch einmal: Der Pluralismus des Dialogs soll nicht die Position der Kirche untergraben, sondern kann in der Tat potenziell die Einzigartigkeit ihrer Position hervorheben“, sagte Dell'Oro.

Es ist also davon auszugehen, dass die Mitglieder der PAV nicht in der Lage sind, Texte zu lesen, die sich mit einer Moral befassen, die der Lehre der Kirche entgegengesetzt ist, sondern dass sie Mitglieder brauchen, die ihnen das „gute Wort“ bis in die Akademie hinein predigen. Was letztlich nichts anderes als eine verbale Pirouette ist. Der Pluralismus in der Moral ist nicht mehr und nicht weniger als die Verneinung der kirchlichen Lehre.

Professor Sheila Dinotshe Tlou 

Sheila Tlou wurde ebenfalls zum Mitglied der PAV für 2022 ernannt. Sie stammt aus Botswana und war von 2004 bis 2008 Gesundheitsministerin ihres Landes. Sie ist Ko-Vorsitzende der globalen Kampagne Nursing Now und der Globalen Koalition für HIV-Prävention.

Tlou tritt normalerweise für Empfängnisverhütung, Abtreibung und politische Maßnahmen ein, die die Fruchtbarkeit armer Menschen mit ihrer Armut in Verbindung bringen. So drückte sie in einem Tweet ihre Unterstützung für den unbegrenzten Zugang zu Verhütungsmitteln als scheinbare Lösung für illegale Abtreibungen aus.

Im Jahr 2019 war Tlou Mitglied der externen Prüfgruppe der Weltgesundheitsorganisation für das Dokument Konsolidierte Richtlinien für Maßnahmen der persönlichen Gesundheitsvorsorge im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte. Auf Seite 67 heißt es dort: „Im größtmöglichen gesetzlich zulässigen Umfang sollten sichere Abtreibungsdienste für alle Frauen leicht zugänglich und erschwinglich sein.“

Diese Personalien werfen die dringende Frage auf: Wird die Päpstliche Akademie für das Leben ihrem Titel noch lange gerecht werden können?